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Forschung

DFG-Netzwerk: Kalkulieren, Handeln, Wahrnehmen. Für eine neue Methodik der spätmittelalterlichen Wirtschaftsgeschichte

Der Stelleninhaber ist assoziiertes Mitglied des Netzwerkes und bearbeitet als Co-Autor den Themenkomplex "Geld". Innerhalb des Netzwerks werden kultur-, sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Zugänge zur Wirtschaftsgeschichte des 14. bis 17. Jahrhunderts diskutiert und gegenübergestellt, um daraus eine tiefenschärfere Methodik zu entwickeln. Kapitalismus, Protoindustrialisierung, europäische Weltbeherrschung und massive Eingriffe des Menschen in die Natur sind nur einige der Weichenstellungen, die im Spätmittelalter erstmals konkrete Formen annahmen. Dabei werden fünf grundlegenden Themenbereichen bearbeitet, die die Wirtschaft als gesellschaftlichen Sektor erfassen können: Markt, Arbeit, Kredit/Geld, Konsum und Produktion/Landwirtschaft. Diese Themenbereiche sollen zugleich die Kapitel in einer gemeinsam zu schreibenden Monographie darstellen, die auf diese Weise exemplarisch darlegt, welche Methoden wie kombiniert und angewandt werden können und welches Quellenmaterial das späte Mittelalter dafür jeweils bietet. 

Forschungsnetzwerk „Symbolik und Ästhetik des Geldes“

Das Forschungsnetzwerk befasst sich mit den materialen und ästhetischen Dimensionen von Geld in Gestalt von Papiergeld, Münzen und anderen Zahlungsmitteln. Banknoten sind beispielsweise ein fester Bestandteil unseres alltäglichen Lebens, der jedoch nur selten bewusst wahrgenommen wird, obwohl sie zeigen, wie Staaten sich selbst wahrnehmen und welche historischen Ereignisse, Persönlichkeiten oder Errungenschaften sie als wichtig erachten („Visitenkarten eines Staates“, Deutsche Bundesbank 2010). Dies wird in einer charakteristischen Bildsprache und mit einer weltweit ähnlichen Ästhetik transportiert, die es erlaubt, auch unbekannte Papierstücke sofort als Geld zu erkennen. Obwohl Banknoten das meistverbreitete Bildmedium der Moderne sind, wurden diese symbolischen und ästhetischen Dimensionen des Geldes von der Wissenschaft bislang noch kaum beachtet.

Konsum und Nationalsozialistische "Volksgemeinschaft"

Das Fach Wirtschafts- und Sozialgeschichte ist gegenwärtig am niedersächsischen Forschungsverbundprojekt "Nationalsozialistische 'Volksgemeinschaft'? Konstruktion, gesellschaftliche Wirkungsmacht und Erinnerung vor Ort" und dem damit verbundenen überregionalen Forschungskolleg beteiligt. In diesem Kontext arbeitet zur Zeit ein Doktorand an einer Dissertation über die Bedeutung des Konsums für die Konstruktion und die gesellschaftliche Wirkungsmacht der nationalsozialistischen "Volksgemeinschaft" am Beispiel des Landes Oldenburg.

Domänen und Klostergüter in Königreich/Provinz Hannover

Seit 2011 untersucht Dr. Johannes Laufer "Domänen und Klostergüter als Träger innovativer Entwicklung und Strukturbildung im ländlichen Raum. Eine historische Bestandserfassung und Analyse für die Territorien des Königreichs bzw. der Provinz Hannover (18. Jahrhundert bis um 1930)."

Projektskizze

Große landwirtschaftliche Staatsgüter und ausgedehnter fiskalischer Grundbesitz prägten bis ins 20. Jahrhundert die Entwicklung der Kulturlandschaft in weiten Teilen Niedersachsens. Als rechtliche und ökonomische Sonderbereiche hoben sich Domänen und ehemalige Kloster- oder Stiftsgüter, die unter besonderer Administration standen, von der vorherrschend bäuerlichen Landwirtschaft in den historischen Territorien des niedersächsischen Raumes ab. Den Landesfürsten und Regierungen bot sich hier die Gelegenheit, eigene struktur- oder wirtschaftspolitische Konzepte und Prinzipien gleichsam musterhaft umzusetzen. Die seit dem 18. Jahrhundert zunehmend marktorientierte Bewirtschaftung der Güter erforderte betriebliche Organisationsformen, die feudalen Traditionen zum Teil widersprachen und im Grundsatz denen moderner industrieller Unternehmen entsprachen. Die jüngere Wirtschaftsgeschichte reduziert die Rolle des Staates im Prozess der Agrarmodernisierung im Wesentlichen auf die Agrarreformen. Fragen nach innovativen agrarwirtschaftlichen Impulsen, die insbesondere von der englischen Landwirtschaft ausgingen und das Interesse deutscher Fürsten an der Landwirtschaft förderten, sind jedoch weithin ungeklärt.

Das Forschungsprojekt untersucht die Bedeutung der Domänen und Klostergüter für die wirtschaftliche Entwicklung und Modernisierung der Landwirtschaft und des ländlichen Raumes im Kurfürstentum/Königreich bzw. der preußischen Provinz Hannover vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis um 1930. Die gute Quellenlage ermöglicht zunächst eine umfassende Dokumentation über den Bestand der (um 1850) etwa 240 hannoverschen Staats- und Klostergüter in Katalogform mit steckbriefartigen Kurzinformationen über die rechtliche Stellung, Besitzverhältnisse sowie betriebliche Struktur und Entwicklung der einzelnen Güter. Daran schließt eine systematische Untersuchung an, die insbesondere die betriebliche Organisation der Domänen, deren Beiträge zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität und zur Erschließung des ländlichen Raumes (Meliorationen, Ressourcennutzung, Infrastruktur) sowie die Wechselbezüge zwischen staatlicher Domänenpolitik und Domänenwirtschaft analysiert. Besondere Berücksichtigung finden dabei die regionalen und naturräumlichen Standortunterschiede zwischen Harz und Weserbergland, Lößbörden, Moor- und Heidegebieten sowie den küstennahen Marschen.

Kontakt: johannes.laufer@uni-osnabrueck.de sowie hans-werner.niemann@uni-osnabrueck.de