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Sebastian Bondzio; Foto: Privat

Dr. Sebastian Bondzio

Universität Osnabrück

Neueste Geschichte
Neuer Graben 19/21
Raum 03/230
49069 Osnabrück
Tel. +49 541 969 4127
sebondzio [ at ] uos.de

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n.V.

Dr. Sebastian Bondzio

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Profil

Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Seminar
(Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung)

Forschungsschwerpunkte

Inhaltlich:

- Wissensgeschichte: Geschichte der staatlichen Produktion und Zirkulation von Wissen über Bevölkerung
- Geschichte der Gewalt und der Emotionen im 19. und 20. Jahrhunderts
- Praxisgeschichte der Gestapo
- Gesellschaftsgeschichte des Ersten Weltkriegs

Methodisch:
- Genealogie der Moral
- Digitale Wissensgeschichte
- Data Driven History: Theorie und Methoden massendatengestützter Forschung

Nach seiner Tätigkeit im von der Stiftung Pro*Niedersachsen geförderten Forschungsprojekt 'Gefallene' in der Gesellschaftsgeschichte. Das Sterben von Soldaten im Krieg und seine Auswirkungen im Westen Niedersachsens wurde Sebastian Bondzio mit seiner Arbeit Soldatentod und Kriegsgesellschaft. Sterbegeschehen, Kriegskultur und Durchhaltebreitschaft in einer deutschen Stadt. Osnabrück 1914-1918 im Jahr 2018 an der Universität Osanbrück mit summa cum laude promoviert.

In seiner Dissertation konnte er zeigen, wie eng der Tod von Soldaten und die gesellschaftliche Durchhaltebereitschaft während des Ersten Weltkriegs verknüft waren. Mit Blick auf eine deutschen Stadtgesellschaft erforschte er das Sterbegeschehen und seine Folgen. Über die Verknüpfung von struktur- und kulturhistorischen Analysen gelang es ihm, Sterbeereignisse, Emotionen, Kriegskultur und Kriegsgesellschaft gemeinsam zu untersuchen und die lange Dauer der Kriegsbereitschaft der deutschen Bevölkerung zu erklären. Die Verbindung einer digital gestützten Sozialprofilanalyse der 'Gefallenen' mit einer genealogischen Untersuchung von Emotionen und Moral gewährt dafür tiefe Einblicke in die basalen Mechanismen der deutschen Kriegsgesellschaft.
Inhaltlich und methodisch innovativ, fordert die Studie dazu auf, zentrale Fragen der Gesellschaftsgeschichte des Ersten Weltkriegs neu zu bedenken.

Seit April 2018 ist Sebastian Bondzio wissenschaftlicher Mitarbeiter in dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungsprojekt Überwachung. Macht. Ordnung. Personen- und Vorgangskarteien als Herrschaftsinstrument der Gestapo (http://gepris.dfg.de/gepris/projekt/394480672).
Im Zentrum des Forschungsprojektes steht die für den Regierungsbezirk Osnabrück überlieferte Gestapokartei. Das in ihr gespeicherte Wissen ist der Schlüssel zum Verständnis der gewaltsamen Durchherrschung der Gesellschaft durch das NS-Regime. Die Kartei ist eine von deutschlandweit nur sechs erhaltenen Quellenbeständen ihrer Art. Als historischer Massendaten- und institutioneller Wissensspeicher gewährt sie tiefe Einblicke in die Wissensproduktion- und -nutzung der Geheimen Staatspolizei im Zeitalter der Datafizierung und die Praktiken ihrer alltäglichen Arbeit. Mit dieser thematischen Ausrichtung hat das Forschungsprojekt zwei Zielrichtungen: 1.) Das historische Erkenntnisinteresse besteht darin, die behördeninternen Funktionsweisen und Mechanismen der Gestapo weiter zu erforschen. Ihr Input und Output sind Gegenstand ausgiebiger Forschung geworden. Aufgrund des eklatanten Quellenmangels ist die NS-Geheimpolizei selbst aber bis heute eine Blackbox geblieben. Wissenshistorische Zugänge machen es möglich, die Gestapo als komplexes Wissenssytsem mit Exekutivfunktion zu begreifen und unter diesen Vorbedingungen zu analysieren.
2.) Dafür müssen neue, bislang weitgehend ungenutzte Quellenbestände fruchtbar gemacht werden. Das methodologische Erkenntnisinteresse des Projektes besteht deshalb darin, ein digitales Replikat der Osnabrücker Gestapo Kartei zu erzeugen, das die computergestützte Simulation des Karteibetriebs ermöglicht. Die so entstehende Forschungsdatenbank erlaubt es, digitale Methoden und Werkzeuge zur Auswertung dieser historical Big Data zu erproben und darüber die Herrschaftspraktiken der Gestapo datengestützt herauszuarbeiten.

Dieses methodologische Interesse führte im Frühjahr 2020 zur Etablierung der Arbeitsgruppe Data Driven History an der Professur für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung der Universität Osnabrück. In ihr befördert und koordiniert Sebastian Bondzio als Senior Researcher maßgeblich die Entwicklung neuer, digitaler Methoden in unterschiedlichen Forschungsprojekten und internationalen Kooperationen. Die Innovation historischer Forschung mittels digitaler Zugänge steht noch am Anfang, eröffnet aber gänzlich neue Perspektiven und erweist sich dabei bereits jetzt als  erkenntnisfördernd. Explorative Methoden in Beständen historischer Massendaten ergänzen dabei hermeneutsiche Zugänge.
( www.nghm.uni-osnabrueck.de/data_driven_history.html )

Mitgliedschaften:

- German Studies Association
- Society for the History of War
- Arbeitskreis Militärgeschichte e.V.
- Historischer Verein für Niedersachsen
- Verein für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück