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Forschung  -  Geschichte des Mittelalters

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Geschichte des Mittelalters
Epigraphik-Projekt: Die Grabmäler der Marienkirche in Osnabrück

Die gotische Marienkirche in Osnabrück beherbergt einen großen, seltenen Schatz an originalen inschriftlichen Quellen aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit. Seit dem Sommersemester 2008 stehen sie im Zentrum epigraphischer Übungen, die am Lehrstuhl für Geschichte des Mittelalters angeboten werden.

Wohl im Zuge der Baumaßnahmen des 13. Jahrhunderts wurde ein neuer Altar errichtet, in dessen Mensa sich die älteste Inschrift der Marienkirche befindet. Das älteste Grabdenkmal erinnert an den 1354 verstorbenen Johann von Ascheberg. Es steht heute im Chorumgang an der Wand aufgerichtet. Der Chorumgang selbst, der mit seinem heutigen Kapellenkranz in gotischem Kathedralstil gehalten ist, entstand um die Mitte des 15. Jahrhunderts.

Dort befindet sich ein vielfältiger Bestand von rund 50 Grabplatten - noch in situ im Boden hinter dem Altar, also dort, wo sie zum Teil seit mehr als 400 Jahren an Verstorbene der Kirchengemeinde von St. Marien erinnern. Dazu kommen mehrere künstlerisch hochwertige Epitaphien an den Wänden des Chorumgangs. Vom Hochmittelalter bis in die tiefe Neuzeit bietet die Osnabrücker Marienkirche eine schier unendliche Fundgrube an Inschriften. Seit Jahrhunderten erzählen die steinernen Grabplatten von ihren illustren verstorbenen Gemeindemitgliedern.

Wissenschaftlich ediert wurden bislang alle originalen Inschriften und kopialen Überlieferungen aus der Zeit bis zum Jahr 1650 durch Sabine Wehking (Die Inschriften der Stadt Osnabrück, Wiesbaden 1988 = Die Deutschen Inschriften 26, Göttinger Reihe 3). Die etwa 50 Grabplatten aus der Zeit zwischen 1650 und 1800 sowie einige der eindrucksvollen, jüngeren Epitaphien, die in Wehkings Inschriftenband nicht aufgenommen wurden, sind bislang nicht wissenschaftlich ediert und zusammengestellt worden.

Diesen Bestand zu edieren und wissenschaftlich zu bearbeiten, ist Inhalt der Epigraphikübungen von Matthias Johannes Bauer M.A. hier am Lehrstuhl für Geschichte des Mittelalters (Lehrstuhlinhaber: Prof. Dr. Thomas Vogtherr, zur Zeit vertreten durch Frau apl. Prof. Dr. Gudrun Gleba). Die Grabmäler der Marienkirche stellen eine Herausforderung für den Epigraphiker dar - und eine Möglichkeit für die dortige Kirchengemeinde, sich ihrer Geschichte auf eine noch andere Art bewusst zu werden als bisher geschehen. Deshalb wird der Aufarbeitung dieser Denkmäler als wissenschaftliche Quellen die verständliche Aufbereitung in Form einer allgemein verständlichen Ausstellung in der Marienkirche selbst folgen. Sie wird voraussichtlich am 30.10.2010 dort vor Ort eröffnet werden.

Was ist Epigraphik?
Die Epigraphik (Inschriftenkunde) umfasst im Grunde alles, was zur Beurteilung eines inschriftlichen Denkmals als historische Quelle erforderlich ist. Inschriften befinden sich in verschiedenen Materialien (wie Stein, Holz, Metall, Leder, Stoff usw.). Zur Aufnahme eines Inschriftendenkmals nach allen Regeln der Kunst gehört zunächst die Vermessung des Objektes beziehungsweise des Inschriftenträgers und oftmals auch die Fotosicherung vor allem der inschriftlichen Teile des Denkmals. Im zweiten Schritt werden die enthaltenen Inschriften übertragen (transkribiert) und kurz kommentiert. Vor allem die genannten Personen und dargestellten Wappen müssen hierzu identifiziert werden. Die reine Edition einzelner Denkmäler stellt diese als Quellen für weiterführende wissenschaftliche Fragen verschiedenster Art zur Verfügung.
Kontakt Epigraphik-Projekt
Apl. Prof. Dr. Gudrun Gleba

Vertreterin des Lehrstuhls für Geschichte des Mittelalters, Universität Osnabrück, FB 2: Historisches Seminar, Schloßstr. 8, 49069 Osnabrück, Tel. 0541/969-4396

Matthias Johannes Bauer M.A.

Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Geschichte des Mittelalters, Universität Osnabrück, FB 2: Historisches Seminar,  49069 Osnabrück

matthias.johannes.bauer@uni-osnabrueck.de