Das Fach Neueste Geschichte deckt in der Lehre die gesamte Breite historischer Entwicklungen in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur vom frühen 19. bis zum frühen 21. Jahrhundert ab. In der Forschung haben sich als Schwerpunkte insbesondere die interdisziplinär orientierte Sozial-, Kultur- und Politikgeschichte von Migration und Integration in Deutschland, Europa und im atlantischen Raum vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart, die Bevölkerungsgeschichte und die Kolonialgeschichte sowie die nordwestdeutsche Regionalgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts etabliert.

Belegschaft der Zeche >Julia< in Herne-Baukau 1897. Die Zeche zählte zu den >Polenzechen<, hatte also einen sehr hohen Anteil an polnischen Arbeitskräften (Bildarchiv der Stadt Herne)
2007/2008 konnte ein von mehreren Stiftungen finanziertes deutsch-niederländisches Großprojekt einer >Enzyklopädie Migration in Europa vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart< (vier Herausgeber, mehr als 250 Autoren) abgeschlossen werden. Neben einer Anzahl weiterer Projekte steht unter den drittmittelgestützten Forschungsvorhaben nunmehr das von 2006 bis 2014 aus dem Niedersächsischen Vorab der VolkswagenStiftung und vom MWK finanzierte große Projekt eines >Handbuchs Staat und Migration in Deutschland seit dem 17. Jahrhundert< im Vordergrund. Dieser neue Schwerpunkt wird so ausgebaut werden, dass er in die Projektverbünde zur vergleichenden europäischen und globalen Migrationsforschung den Themenkomplex >Staat und Migration< als spezifischen Bereich einbringt. Von der Neuesten Geschichte werden drei Schriftenreihen zur Migrationsforschung betreut, in der seit Mitte der 1990er Jahre über 50 Buchpublikationen erschienen sind.Buchvorstellung der zuerst am 7.11.2007 am Wissenschaftskolleg zu Berlin vorgestellten >Enzyklopädie Migration in Europa< am IMIS, 15.11.2007: Mitherausgeber Prof. Dr. Klaus J. Bade (2.v.l.) und Apl. Prof. Dr. Jochen Oltmer (4.v.l.), Redakteur Dr. Michael Schubert (3.v.l.), Bades Nachfolger als IMIS-Direktor Prof. Dr. Michael Bommes (5.v.l.) mit IMIS-Gästen: Prof. Dr. Jan M. Piskorski (Gastforscher von der Universität Stettin, Nov. 2007 bis Febr. 2008, 6.v.l.) sowie den Doktorandinnen am IMIS Anna Sosna, Krakau (7.v.l.) und Ulas Sunata, Istanbul (1.v.l.).
Die interdisziplinäre Ausrichtung der Forschungsaktivitäten des Faches Neueste Geschichte wird verstärkt durch seine Einbindung in das - exzellent evaluierte und von den Peers als mustergültig empfohlene - Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS), dessen Gründung und Etablierung von der Professur für Neueste Geschichte federführend betrieben worden ist. Die Professur bildet den haushaltsrechtlichen Kern des Instituts. Dem interdisziplinären und interfakultativen Forschungsinstitut der Universität Osnabrück gehören Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen aus mehreren Forschungsrichtungen und Fachgebieten an. Hinzu kommen auswärtige Korrespondierende Mitglieder - von Demographie, Geographie und Geschichte über Politik-, Rechts- und Wirtschaftwissenschaften, Ethnologie und Soziologie bis zu Interkultureller Pädagogik und Interkulturellem Management, Geschlechterforschung, Sprach-, Literaturwissenschaften und Psychologie.

>Volksdeutsche< Umsiedler aus Litauen erreichen am 28. Februar 1941 das ostpreußische Eydtkau/Eydtkuhnen (Bundesarchiv Koblenz).
Migration, Integration, Interkulturalität und die Begegnung von Mehrheiten und Minderheiten waren in der Vergangenheit, sind in der Gegenwart und bleiben in der absehbaren Zukunft zentrale Problembereiche und Gestaltungsaufgaben gesellschaftlichen Zusammenlebens. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich das Institut mit vielfältigen Aspekten räumlicher Mobilität und interkultureller Begegnung in Geschichte und Gegenwart. Sie reichen im Falle der Migration von der Ausgliederung in den Ausgangsräumen bis zur Eingliederung in den Zielgebieten, d.h. von Bestimmungsfaktoren und Entwicklungsbedingungen der Wanderungen bis zu ihren Folgewirkungen in Ausgangs- und Zielräumen. Es geht aber auch um interkulturelle Probleme ohne Migrationshintergrund und allgemein um die Förderung interkultureller Kompetenz.
Türkische Arbeiter der Salzgitter AG im Wohnheim (Stadtarchiv Peine, Dep PSAG)
Das Institut ist ein internationales Zentrum wissenschaftlicher Forschung und interdisziplinärer Begegnung. Eine Spezialbibliothek und gut ausgestattete Arbeitsräume bieten Mitgliedern und Gastforschern aus dem In- und Ausland, Doktoranden und Mitarbeitern von Forschungsprojekten günstige Forschungsbedingungen.

Zu den Aufgaben des 1991 gegründeten Instituts gehört es, Forschungen zu Migration und interkulturellen Fragen zu intensivieren und zu koordinieren, als Lehreinheit ein entsprechendes Studienangebot vorzuhalten, die fachliche und weitere Öffentlichkeit in seinen Themenfeldern kritisch zu informieren, den Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis zu fördern sowie wissenschaftlich fundierte Einschätzungen und Handlungsempfehlungen zu erarbeiten. Das Institut entspricht diesen Aufgaben durch Forschungsarbeit, an die wissenschaftliche, aber auch an die weitere Öffentlichkeit und an die Politik gerichtete Publikationen, durch den neu eingerichteten Studiengang >Internationale Migration und interkulturelle Beziehungen<, durch Tagungen und Vortragsveranstaltungen sowie durch wissenschaftliche Beratungstätigkeit und kritische Politikbegleitung über die Medien.




